Kaffeekränzchen: Russischer Zupfkuchen

Da saß ich nun, zurückgelehnt in einem braunen Ledersessel, der genauso aussah wie der von meinem Großvater. Draußen strömte der Regen und die Menschen durch die Straßen von St. Petersburg. Gedankenverloren spähte ich durch die angelaufene Fensterscheibe und nahm einen tiefen Schluck von meinem heißen, schwarzen Kaffee. Die anderen Gäste im Café Julenka lasen bedächtig in ihrer Zeitung oder sprachen mit gedämpfter Stimme mit ihrem Sitznachbarn. Ich verstand kein Wort, aber das leise Gemurmel wirkte irgendwie beruhigend, fast einschläfernd. Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und dachte an früher zurück. Mein Großvater auf seinem braunen Ledersessel und ich auf seinem Schoß, die Geschichten, die er mir vorlas, und meine Oma, die in der Küche stand und Russischen Zupfkuchen backte. Wie aus meiner Erinnerung gemalt, stand nun so ein Stück vor meiner Nase auf dem Tisch. Und er schmeckte fast genauso gut wie damals.“

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So oder so ähnlich könnte es sein. Der perfekte Russische Zupfkuchen in einem schönen Café in St. Petersburg. Da gäbe es nur das klitzekleine Problem: der kommt ja gar nicht aus Russland! Wie das zustande kommt? Angeblich wurde das Rezept in den 90er Jahren mal bei einem Dr. Oetker Backwettbewerb als Russischer Zupfkuchen eingereicht. Russisch deshalb, weil die Schokoladen“zupfs“ ungebacken ausgesehen haben sollen wie die Turmspitzen von russischen Kirchen. Ob das stimmen mag oder nicht, eins steht fest: er schmeckt einfach göttlich.

Russischer Zupfkuchen

Zarter Schokoladenmürbeteig und cremiger Käsekuchen – was kann daran auch schon verkehrt sein? Backfaule brauchen dafür übrigens nicht mal ein Rührgerät, der Teig lässt sich auch ganz einfach mit der Hand kneten und die Käsemasse mit dem Kochlöffel rühren. Nach meiner letzten empirischen Studie habe ich nur ein einziges Problem feststellen können: dieser Kuchen hat leider nur eine Lebensdauer von einem Tag. Oh weh!

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Russischer Zupfkuchen

 Zutaten:

275 g weiche Butter
225 g Zucker
2 Pck. Vanillezucker
3 Eier
225 g Mehl
2 gestr. TL Backpulver
50 g Back-Kakao
500 g Magerquark
1 Pck. Vanille-Pud dingpulver
optional: Zartbitterkuvertüre

So geht’s:
1. Für den Schokoladenmürbeteig 125 g Butter, 125 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Ei, das Mehl und Backpulver und den Kakao zu einem Teig verkneten. Den Teig flach drücken und in Folie gewickelt in den Kühlschrank legen.
2. In einer Schüssel den Magerquark mit 100 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker mischen. 150 g Butter schmelzen und kurz abkühlen lassen. Zusammen mit dem Vanille-Puddingpulver unter den Quark rühren. Als letztes 2 Eier daz ugeben.
3. Den Schokoladenteig in der Mitte halbieren. Die eine Hälfte in eine gefettete Springform auslegen (ihr könnt den Teig vorher etwas ausrollen) und einen 2-3 cm Rand hochziehen.
4. Die Quarkfüllung in die Form gießen. Dann den restlichen Schokoladenteig als Streusel über die Füllung streuen bzw. „zupfen“.
5. Den Kuchen bei 180 °C für 50-60 Minuten backen. Falls der Kuchen zu dunkel wird, könnt ihr ihn mit Alufolie abdecken.
6. Richtig abgekühlt schmeckt er am besten – Ungeduldige können aber auch schon vorher probieren.
7. Tipp: Für noch mehr Schokopower solltet ihr unbedingt etwas Zartbitterkuvertüre schmelzen und  über die Schokoladenstreusel verteilen!

Guten Appetit!

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Vom Glück und anderen Dingen

Bringt es Unglück, wenn man Glückskekse backen will und sie so richtig daneben gehen? Ich hoffe nicht. Und wenn doch – da zitiere ich doch gleich diesen weisen Spruch, der ein Glückskeksspruch hätte werden können: „Misserfolg ist eine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen!“ Noch besser gefällt mir die hessische Variante: „Bevor isch mich uffreesch, isses mir lieber egal.“ Dabei war die Idee gar nicht so verkehrt: Glückskekse, die ausnahmsweise schmecken, und zwar dank leckerem Schokoladenmürbeteig. Denn mal ehrlich – eigentlich freuen wir uns doch nur über den Spruch, aber nicht über den Keks. Und das sollten wir dringend ändern. Statt den klassischen tortelliniförmigen Keksen habe ich Herzen, Sterne und Knallbonbons geformt und die Sprüche darin versteckt. Nun ja, der Teig war leider nichts, weder geschmacklich noch optisch – ich tue euch also einen großen Gefallen, indem ich das Rezept nicht mit euch teile. Aber falls es euch jetzt im Ofenhandschuh juckt und ihr überhaupt noch Plätzchen sehen könnt, probiert es doch einfach mit dem Mürbeteig eures Vertrauens aus. Als Trost gibt es hier ein schönes Foto von einem Schokoladenmuffin:

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Am liebsten würde ich euch ja jedem so einen wunderbaren Muffin nach Hause schicken – aber stattdessen gibt’s heute eine andere Form des Glücks: und zwar eine Geschichte. Wenn euch schon heiß und kalt wird bei dem Gedanken an Neujahrsvorsätze, ihr 2015 noch nicht loslassen wollt oder es kaum erwarten könnt bis endlich das neue Jahr anfängt, dann ist sie vielleicht genau das Richtige.

„Früher war alles besser.“, sagte Hermann und setzte sich mit dunkler Miene auf die Parkbank.

„In Zukunft wird alles besser.“, sagte seine Frau Beate und setzte sich daneben.

Da fiel ein Apfel vom Baum herab und rollte vor ihre Füße. „Warum denn nicht jetzt?“, sagte der Apfel, der so rot war wie ein Apfel nur werden konnte. Hermann und Beate sahen sich verdutzt an. „Gestern hatte ich noch einen grünen Fleck“, fuhr der Apfel unbekümmert fort, „und schon bald werde ich faulen.“

Da holte Hermann das Taschenmesser von seinem Urgroßvater hervor und schnitt den Apfel in zwei Hälften. Beate und Hermann bissen hinein und es war tatsächlich der süßeste und saftigste Apfel, den sie jemals gegessen hatten. Da wurden beide froh, denn ihre Sorgen von morgen und gestern waren wie weggeblasen und mit einem glücklichen Lächeln standen Hermann und Beate auf, fassten sich an der Hand und machten einen Spaziergang.

Ich hoffe jedenfalls, ihr hattet alle schöne besinnliche Feiertage und habt auch die Zeit zwischen den Jahren genossen. Einen guten Rutsch wünsche ich euch! Bis nächstes Jahr.